Eine Herausforderung, die sich beim Aufbau eines Unternehmensstandortes in Mexiko ergibt, ist die Etablierung einer geeigneten Unternehmenskultur. Diese prägt die Arbeitseinstellung und das Arbeitsverhalten und ist somit entscheidend für die Zufriedenheit und Produktivität der Mitarbeiter. Um eine passende Unternehmenskultur für den Standort Mexiko zu konstruieren, ist es von großer Bedeutung, die lokale Unternehmenskultur sowie ihre Schwachstellen zu kennen und zu verstehen.

Die traditionelle mexikanische Unternehmenskultur und ihre Schwachstellen

Die traditionelle mexikanische Unternehmenskultur zeichnet sich durch starke Hierarchien, einen autoritären Führungsstil sowie niedrige Löhne und lange Arbeitszeiten aus. Dadurch bedingt herrscht unter den mexikanischen Arbeitnehmer generell eine hohe Unzufriedenheit in Bezug auf ihre Arbeitssituation, worunter die Produktivität leidet.

Aufgrund finanzieller Nöte wird der Job von vielen Mexikanern als ein Mittel zum Zweck wahrgenommen. Dieser besteht in erster Linie darin, ausreichen Geld zu verdienen, um die Familie zu versorgen. Angesichts der Tatsache, dass die Arbeitsmotivation eher materiell als intrinsisch basiert ist, ist die Identifikation mit dem Unternehmen eher gering. Das mangelnde Zugehörigkeitsgefühl ist ebenso wenig förderlich für die Produktivität wie die unvorteilhaften Arbeitsbedingungen.

Unternehmenskultur im Wandel

Ausländische Unternehmen haben nun jedoch frischen Wind in die festgefahrenen, traditionellen Strukturen der mexikanischen Unternehmenskultur gebracht. Um auf die primär materielle Motivation der mexikanischen Arbeitnehmer einzugehen, bieten viele ausländische Firmen attraktivere Arbeitsbedingungen, darunter zum Beispiel höhere Löhne. Über die materiellen Anreize kann auch das Vertrauen der Mitarbeiter gesteigert werden. Langfristig erhöht dies die Bindung zum Unternehmen sowie die Produktivität und Zufriedenheit im Job, wovon sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber profitieren.

Auch einheimische Unternehmen haben erkannt, dass sich der Aufwand, in vertrauensvolle Arbeitsbeziehungen und angemessene Arbeitsbedingungen zu investieren, auszahlt. So vollzieht sich ein Wandel in der mexikanischen Unternehmenskultur, der Arbeitgeber atrraktiver, Arbeitnehmer zufriedener und Arbeitsabläufe effizienter macht.

Aufbau einer Unternehmenskultur in Mexiko

Ausländische Unternehmen haben die Chance, sich im Rahmen des „Kulturwandels“ als attraktive Arbeitsgeber zu präsentieren und neue Schwerpunkte setzen. Der Aufbau einer neuen Unternehmenskultur in Mexiko bietet die Chance, Vorteile der eigenen Unternehmenskultur zu nutzen, um Schwachstellen der lokalen Strukturen zu beheben. Dabei ist es jedoch wichtig, zu beachten, dass eine radikale Umstrukturierung oft nicht zielführend ist. Zu viele Veränderungen können zu Verwirrung und Überforderung führen.  Um einen „Kulturschock“ zu verhindern, ist  daher eine grobe Orientierung an den bestehenden Strukturen zunächst sinnvoll. In diesem Sinne besteht die Schwierigkeit vor allem darin, die Vorteile der eigenen Unternehmenskultur mit den in Mexiko vorherrschenden Strukturen zu vereinbaren.

Welche Faktoren sind konkret zu beachten?

Im ersten Schritt ist es entscheidend, faire und attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen. Damit ist nicht nur ein angemessener Lohn gemeint: auch  Bienestar-Programme,  flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten, Home-Office oder andere freiwillige Zusatzleistungen wie zum Beispiel eine private Krankenversicherung können attraktive Anreize sein.

Persönliche Beziehungen sind für Mexikaner von großer Bedeutung. Dies gilt auch im Arbeitsumfeld. Eine freundschaftliche Arbeitgeber/Arbeitnehmer-Beziehung vermittelt Zugehörigkeit und schafft Vertrauen. Für ausländische Unternehmen spielt in diesem Kontext auch der Aspekt  Sprache eine große Rolle: Mexikaner sprechen nicht gerne englisch. Die Möglichkeit, sich in der Muttersprache zu verständigen, ist für mexikanische Arbeitnehmer von entscheidender Bedeutung.  Dies erleichtert nicht nur die Kommunikation sondern erhöht ebenfalls das Vertrauen und die Identifikation mit dem Unternehmen.

Eine der größten Herausforderungen beim Aufbau einer Unternehmenskultur besteht darin, Hierarchien und Eigeninitiative sinnvoll zu kombinieren. Viele mexikanische Arbeitnehmer sind starke Kontrolle und Autorität gewöhnt. Daher können auch in einer nicht-traditionellen Unternehmenskultur klare Vorgaben und Hierarchien sinnvoll sein. Zu viel Eigeninitiative kann aufgrund mangelnder Gewohnheit zunächst überfordern. Dennoch sollte es gewisse Freiheiten geben: die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen bringen dem Arbeitnehmer Vertrauen entgegen und zeigen, dass er ein wichtiger Teil des Unternehmens ist. Mit steigender Verantwortung wächst neben dem Gefühl der Zugehörigkeit auch das Interesse an der Tätigkeit an sich, eine Motivation, die über die Erfüllung materieller Bedürfnisse hinaus geht.

Weitere Tipps, wie Sie Ihre Mitarbeiter motivieren und so die Unternehmenskultur verbessern können, finden Sie in unserem Blog. Für mehr Infos über die mexikanische Kultur lesen Sie hier weiter.