Mexiko ist nach Brasilien das katholischste Land der Welt. Dementsprechend hat Weihnachten hier eine ganz besondere Bedeutung und wird groß gefeiert.  Dabei wird insbesondere auch die Vorweihnachtszeit – die je nach individueller Vorfreude und Motivation schon ab Mitte November beginnen kann – voll ausgeschöpft.

Verschiedene Bräuche und Traditionen zeichnen die Festivität in Mexiko aus. Typische mexikanische Gerichte und üppige Dekorationen dürfen dabei nicht fehlen. Insbesondere bezüglich der Deko gilt die Devise „besser zu viel als zu wenig“ : was einigen als übertrieben und dezent kitschig erscheinen mag, ist in Mexiko ganz normal.

Gleichzeitig kommt in den mexikanischen Weihnachtstraditionen auch die religiöse Bedeutung des Ereignisses stark zum Ausdruck.

Hier eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten mexikanischen Weihnachtstraditionen:

Posadas

Offizieller Beginn der Vorweihnachtszeit ist der 16. Dezember. An diesem Datum findet die erste Posada statt (Posada bedeutet Herberge). Dabei wird die Unterkunftssuche von Maria und Joseph nachgestellt. Zwei als Joseph und Maria verkleidete Personen ziehen von Tür zu Tür, um um Einlass zu bitten. Eine Gruppe von Menschen begleitet die beiden mit Kerzen und traditionellen Weihnachtsliedern (villancicos). 

Erst am zuvor definierten Zielort wird Maria und Joseph (inklusive dem Rest der Prozession) der Einlass gewährt. Dort mündet die Posada in eine Fiesta Mexicana mit Tanz, Musik sowie zur Weihnachtszeit typischen mexikanischen Speisen und Getränken, darunter beispielsweise buñuelos, tamales, ponche und chocolate caliente.

Ab dem Startschuss des 16. Dezembers finden in mexikanischen Städten, Dörfern und Familien fast täglich Posadas statt. Jedes Mal enden sie in einem anderen Haus.

Piñatas

Die Piñatas kommen in Mexiko nicht nur an Kindergeburtstagen sondern auch an Weihnachten zum Einsatz, häufig sind sie ein Teil der Posadas oder auch der Weihnachtsfeier an Heiligabend. Gefüllt sind die mit Krepppapier umwickelten Pappfiguren mit Süßigkeiten und Spielzeugen und manchmal auch Obst. Die traditionelle Form der Piñata ist die eines 7-eckigen Sterns. Die Kinder versuchen der Reihe nach, die Piñata mit verbundenen Augen mit einem Stock zu zerschlagen, sodass der Inhalt heraus fällt. Ab dann gilt der Grundsatz „der Stärkere gewinnt“: alle Kinder versuchen, so viele Süßigkeiten wie möglich aufzusammeln.

Nacimientos

Als Nacimientos werden in Mexiko die Weihnachtskrippen bezeichnet. Sie sind in Mexiko deutlich wichtiger als der Weihnachtsbaum, der erst durch die europäischen Einflüsse Teil der mexikanischen Weihnachtstradition geworden ist. Aufbaustart für die Weihnachtskrippen ist ebenfalls der 16. Dezember.

Die wichtigsten Figuren, die in keinem Nacimiento fehlen dürfen, sind Maria und Josef, einige Stalltiere und Hirten sowie Engel, die die Krippe bewachen. Das Jesuskind wird erst am 24. Dezember ergänzt, um dessen Geburt zu symbolisieren. Die Heiligen Drei Könige, die ebenfalls obligatorischer Bestandteil der Nacimientos sind, stoßen erst am 5. Januar zu der Versammlung hinzu. Damit sich die Arbeit des Aufbaus gelohnt hat, bleiben die Weihnachtskrippen üblicherweise bis zum 2. Februar bestehen.

Pastorelas

Bei den Pastorelas handelt es sich um Theaterstücke, die die Reise der Hirten nach Betlehem repräsentieren und typisch für die Weihnachtszeit in Mexiko sind.

Der Kern der Handlung besteht darin, dass die Hirten die Hindernisse überwinden müssen, welche der Teufel ihnen in den Weg legt. Dies gelingt am Ende mit Hilfe der Engel und die Hirten können dem frisch geborenen Jesuskind ihre Geschenke überreichen.

Die populärsten Pastorelas werden in der Stadt Tepotzotlán im Estado de México aufgeführt.

24. Dezember: Nochebuena

Ähnlich wie in vielen europäischen Kulturen wird Heiligabend (Nochebuena) in Mexiko typischerweise im Rahmen der (Groß)familie gefeiert. Dazu gehört das gemütliche Beisammensein am Weihnachtsbaum, bei dem es sich übrigens in den seltensten Fällen um einen echten Baum handelt.

Das familiäre Weihnachtsessen findet meist sehr spät statt. Truthahn gilt in Mexiko als ein typisches Weihnachtsgericht, allerdings haben viele Familien bezüglich der Festspeise ihre eigenen Traditionen. Die Geschenke werden üblicherweise erst nach Mitternacht ausgepackt.

Auch am 25. Dezember finden Familienessen statt, wobei es sich hier häufig um ein großes Resteessen handelt: Alles, was am Vortag nicht geschafft wurde, kommt am ersten Weihnachtsfeiertag  wieder auf den Tisch.

6. Januar: Der Tag der Heiligen Drei Könige

Mit dem 25. Dezember ist Weihnachten in Mexiko noch nicht vorbei. Ähnlich wie in Spanien spielt der Tag der Heiligen Drei Könige am 6. Januar hier eine weitaus größere Rolle als in anderen westlichen Kulturen.

Was besonders erfreulich für die meisten Kinder ist: kaum 2 Wochen nach dem 24. Dezember gibt es schon wieder Geschenke! Der ursprünglichen Tradition vor der Erfindung des Weihnachstmanns nach sind es nämlich die Heiligen Drei Könige welche den Kindern am Morgen des 6. Januars ihre Geschenke bringen. Demnach sind die Wunschzettel der Kinder üblicherweise auch den Königen gewidmet.

Obligatorischer Bestandteil des 6. Januars ist neben den Geschenken auch die Rosca de Reyes, ein mit glaiserten Früchten verziertes Gebäck. Darin versteckt befindet sich eine kleine Figur, die das Christkind repräsentiert. Wer diese in seinem Stück findet, muss 40 Tage nach Weihnachten, am 2. Februar, die Feier des Día de la Candelaría (Mariä Lichtmess) ausrichten und alle Gäste zu Tamales einladen.

Die Weihnachtstradition in Mexiko ist einer von vielen Aspekten, die aufzeigen, wie facettenreich und detailorientiert die mexikanische Kultur ist.  Egal, ob sie Weihnachten in Mexiko, in Deutschland oder in einer anderen Kultur verbringen: Wir von WMP Mexico Advisors wünschen Ihnen Feliz Navidad und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Wenn Sie mehr über traditionelle mexikanische Festivitäten lernen wollen, werfen Sie einen Blick in unseren Beitrag zum Día de Muertos (Tag der Toten) oder erfahren Sie 10 erstaunliche Fakten über Mexiko.