Am 1. Juli lief der maltesische Frachter White Shark als erstes Containerschiff in den neuen Containerterminal TEC (Terminal Especializada de Contenedores) im Hafen von Veracruz ein. Das 1,6 Millionen Dollar Bauprojekt wurde vom Logistikdienst Hutchison Ports-Icave durchgeführt; 80% des Kapitals stammten dabei von privaten Investoren.

Mit dem Bau des neuen Terminals ist die Kapazität des Hafens von Veracruz von 24 Millionen Tonnen auf 66 Millionen Tonnen gestiegen und hat sich somit fast verdreifacht. Bemerkenswert ist auch die technologische Ausstattung, über die der neue Hafen verfügt. Diese beinhaltet künstliche Intelligenz, Blockchains und cutting-edge Technologien.

Potential und Zukunftsperspektiven

Der Bau des TEC ist nur der Anfang einer Reihe von geplanten Erweiterungen des Hafen von Veracruz. Im weiteren Verlauf soll der Hafen von 554 auf 1113 Hektar (Land- und Wasserfläche) ausgedehnt werden, was einer Kapazitätssteigerung auf bis zu 95 Millionen Tonnen gleichkommt. Für 2019 und das erste Quartal des kommenden Jahres ist zudem der Bau von Agrar-, Mineral- und Flüssiggutterminals geplant.

In seinem vollen Außmaß gilt das Vorhaben als wichtigstes Schifffahrts- und größtes Logistikprojekt Mexikos. Ziel ist es, den Handel zwischen Mexiko und Europa zu fördern und zu erleichtern. Bisher konnten Containerschiffe mit Ziel Mexiko nur in US-amerikanischen Häfen anlegen; von dort aus musste die Ware über Landweg nach Mexiko transportiert werden. Die Erweiterung des Hafens von Veracruz ermöglicht nun die direkte Verschiffung nach Mexiko. Auf diese Weise steigert der neue Hafen die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes in Bezug auf Schiffahrt und Handel erheblich.

Die Mission: Diversifizierung des Handels

Neben der Tatsache, dass das Projekt ca. 150 000 neue Arbeitsstellen generiet, stellt die Erweiterung des Hafen von Veracruz auch einen großen Fortschritt in Mexikos Mission, Handelsbeziehungen zu diversifizieren, dar.

In der Vergangenheit hat sich Mexiko im Bereich Infrastruktur fast ausschließlich darauf fokussiert, den Handel mit den USA effizient zu gestalten. Dadurch wurden Handelspotenziale mit anderen Partnern nicht voll ausgeschöpft. Jetzt hat sich das Blatt jedoch gewendet. Sowohl die mexikanische Regierung als auch national ansässige Industrien ergreifen aktiv Infrastrukturmaßnahmen, die darauf abzielen, den Handel mit anderen Kontinenten wie Europa und Asien erleichtern. So ist der Ausbau des Hafens von Veracruz als bedeutender Schritt in der Realisierung dieser Mission zu sehen.

Infrastruktur in Mexiko –  Status quo

Verbesserungen in der Infrastruktur werden aktuell nicht nur im Bereich Schiffstransport, sondern auch in vielen anderen Bereichen implementiert. Im Jahr 2014 hat die mexikanische Regierung ein 600 Milliarden Dollar schweres nationales Infrastrukturprogramm (PNI = Programa Nacional de Infraestructura) verabschiedet, welches Strukturmaßnahmen in den Bereichen Kommunikation, Transport, Stadt- und Landentwicklung sowie Energie, Wasser und Gesundheit vorsieht.

Wie sieht es aktuell mit Mexikos Infrastruktur aus? Welche Maßnahmen wurden bereits in die Tat umgesetzt werden?

Im Bereich Transportwesen wurden mit dem Bau von 80 Straßen und 50 Autobahnen bereits 2017 85% des Programms erfüllt. Die Regierung plant jetzt, zusätzlich 1,7 Milliarden Dollar in den Ausbau des Schienennetzes zu investieren und somit die Effizienz von Supply Chains zu steigern. Nach der Unterzeichnung des UMSCA Freihandelsabkommens ist Mexiko stärker denn je daran interessiert, Transportstrukturen zu verbessern um den Handel zu begünstigen.

Weitere wichtige Insfrastrukturmaßnahmen betreffen den Bereich Bildung. Spezielle Bildungsfonds zur Förderung von Wissenschaft und Ingenieurwesen an technischen Schulen und Universitäten, haben es ermöglicht, diese Bereiche stärker auszubauen. Mithilfe der Strukturförderung hat die Anzahl an Abschlüssen im Bereich Ingenieurwesen auf nationaler Ebene schon beträchtlich zugenommen ist höher als beispielsweise in Deutschland oder Kanada.

Auch im Bereich Energie gab es nennenswerte Fortschritte. Hierbei ist insbesondere der Sektor erneuerbare Energien zu nennen. Private lokale und auswärtige Firmen haben begonnen, in erneuerbare Technologien wie Erdgas, Wind- und Sonnenenergie zu investieren. Bis 2021 werden erneuerbare Energiequellen voraussichtlich 50% der Energiestruktur des Landes ausmachen.